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Der Zwölf-Elf (Andere Gedichte)

Der Zwölf-Elf


Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund.
Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich auf im Rohr.

Der Moorfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schneck horcht auf in seinem Haus;
desgleichen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast

auf einem windgebrochnen Ast.


Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund

als Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstrumpf

sich nicht verlief in Teich und Sumpf.


Der Rabe Ralf ruft schaurig: ,Kra!
Das End ist da! Das End ist da!'

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.



Eingetragen am 08.11.2011 09:33:26 von 2rhyme
Autor: Christian Morgenstern
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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