An Hoffmann von Fallersleben (Andere Gedichte)
An Hoffmann von Fallersleben. Zu Corvey war’s. Durch den Kastaniengang Bin ich mit Dir des Wegs zum Schloß geschritten Und saß gar bald bei hellem Gläserklang In Deines blüthgeschmückten Zimmers Mitten.
Es lag die Flur im Julisonnenbrand, Rheinwein in Eis. Der Mann im Silberhaare, Er füllte unsre Becher bis zum Rand Und sprach: „Stoß’ an! O, blieb’ es immer so! Noch bin ich jung und meiner Jugend froh,
Trotz meiner vollen fünfundsiebzig Jahre.“ – Mein alter Freund, noch keinen sah ich je, Der so den Lenz des Daseins festgehalten. Hin auf die Schultern floß der Locken Schnee; Wohl lagen auf der Stirne tiefe Falten,
Doch von der Lippe sprühte der Humor; Satire wußt’ den scharfen Pfeil zu spitzen, Und tief im Herzen sproß ein Blumenflor; Da klang’s wie eines Haidevögleins Schlag. Mir war’s, als säh’ ich einen Maientag
Hervor aus Deinen blauen Augen blitzen. Nun ist vorbei auch Deine Erdenfahrt. Die blauen Augen hat der Tod geschlossen; Nicht streichst Du, schelmisch lächelnd, mehr den Bart Vergnügt im Kreise heit’rer Zechgenossen.
Der Zeit erlag auch Deine Riesenkraft; Nun ward auch Dir das Todtenlied gesungen; Du ruhst nach einer langen Wanderschaft. – Um Deinen Hügel strahlt des Ruhmes Glanz: Den Kranz des Forschers und des Dichters Kranz,
Du hast die Kränze beide Dir errungen. Im Reich des Wissens hat Dein ernster Fleiß Erworben längst Dir eine Ehrenstelle, Und des Poeten grünes Lorbeerreis, Du brachst es fast im Spiele Dir, Geselle.
Treuherzig, innig, wie ein Volkslied fast, Einfach und schlicht, bar alles Phrasenschwalles, So klingt das Lied, das Du gedichtet hast. Hoch schlägt das Herz uns, wenn Dein Sang erschallt, Dein „Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald“,
Dein herrlich „Deutschland, Deutschland über Alles“. Dem Vaterlande und der Freiheit schlug In gleicher, treuer Lieb’ Dein Herz entgegen; Den Haß der Priester und der Mächt’gen trug Dein Haupt auf harten, langen Dornenwegen;
Dich machte zahm kein Pfaff’ und kein Despot: Des Volkes Streiter war und blieb der Barde. Du grüßtest froh der Einheit Morgenroth Und kämpftest fort für Freiheit, Recht und Licht; Um Herrengunst und Gnade hast Du nicht
Gewechselt Deine Fahne und Cocarde. – Die Leiche birgt das Grab im Weserthal; Verhallet ist der Klang der Sterbeglocken – Die Stunden flieh’n; bald wird der Sonnenstrahl Aus Deiner Gruft hervor die Blumen locken.
In Frieden schlaf’! Dein Tagwerk ist gethan. Das Volk, die Wissenschaft, die Sanggenossen Der stillen Schlummerstätte trauernd nah’n; Sie bringen Dir dreifaches Lorbeerblatt, Dreifachen Kranz – und Deinen Namen hat
In Liebe Deutschland in sein Herz geschlossen.
Emil Rittershaus.
Eingetragen am 08.11.2011 09:32:59 von 2rhyme
Autor: Emil Rittershaus
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org
|