Aus dem Leben eines Heiligen (Andere Gedichte)
AUS DEM LEBEN EINES HEILIGEN Er kannte Ängste, deren Eingang schon wie Sterben war und nicht zu überstehen. Sein Herz erlernte, langsam durchzugehen; er zog es groß wie einen Sohn.
Und namenlose Nöte kannte er, finster und ohne Morgen wie Verschläge; und seine Seele gab er folgsam her, da sie erwachsen war, auf daß sie läge bei ihrem Bräutigam und Herrn; und blieb
allein zurück an einem solchen Orte, wo das Alleinsein alles übertrieb, und wohnte weit und wollte niemals Worte. Aber dafür, nach Zeit und Zeit, erfuhr er auch das Glück, sich in die eignen Hände,
damit er eine Zärtlichkeit empfände, zu legen wie die ganze Kreatur.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:02 von 2rhyme
Autor: Rainer Maria Rilke
Quelle: de.wikisource.org
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