Der Apfel der Zwietracht (Kämpchen) (Andere Gedichte)
Der Apfel der Zwietracht. Weltanschauung – mit dem Worte Ist viel Humbug schon getrieben, Und noch immer, täglich, ständig Braucht man es zur Irreführung.
Ganz besonders sind’s die Knappen, Die man dadurch trennt und wirret, In zwei Lager feindlich spaltet Und dem Gegner überliefert. – Demagogisch braucht das Wort man
Zur fanatischen Verhetzung, Um die Macht der Bergarbeiter Lahmzulegen und zu brechen. – Mag ein jeder doch anschauen Sich die Welt, wie’s ihm beliebet,
Und wer eine Welt des Jenseits Noch sich bildet – mag er’s tuen. – Aber eben so in Freiheit Soll man auch den andern lassen, Der mit einer Welt des Diesseits
Sich bescheiden schon begnüget. – Und wenn er dafür verlanget, Daß der Proletar, der Knappe, Menschlich leben soll auf Erden, Ist zuviel es wohl gefordert? –
Muß nicht auch sein Mitgeselle Von der andern Weltanschauung Essen, trinken hier auf Erden Und dem Staat die Steuern zahlen? – Muß er nicht als Leidensbruder
Mit ihm scharren in den Klüften? Mit ihm hungern und verkümmern, Wenn sie nicht zusammenhalten? – Ob und wenn auch Antipoden In der Weltanschauung – beide
Sind doch treue Kameraden In der schauerlichen Tiefe. – Droben aber, auf der Erde, Sollen sie sich meucheln, morden, (Bildlich brauchen wir die Worte)
Eben um der Weltanschauung. – Also fordern es die Macher, Die doch nichts dagegen haben, Daß die lieben Werksbesitzer Ganz die gleiche Sünde üben. –
Einig halten da zusammen, Um den Bergmann auszubeuten, Christen mit den Juden, Heiden, Katholik und Protestante. – Keiner ist, der ihnen predigt:
Müßt euch trennen und zerklüften Auch in Christen und Nichtchristen, Also will’s die Weltanschauung. – Keiner – nur dem guten Bergmann Wird es täglich vorgeorgelt,
Ihm allein ist es vonnöten Sich zu schützen vor der Fährnis. – Und die Lehre? – Mag doch jeder Wie er will die Welt anschauen, Aber in dem Kampfe, Knappen,
Seid ein ungeteiltes Ganze. – Wie in Nächten, so am Tage, Sollt ihr treu zusammenhalten, Ohne Unterschied des Glaubens, Einig, einig wie die Gegner. –
Dann, nur dann, kommt ihr zum Siege, Aber laßt ihr euch zerspalten Mit dem Weltanschauungs-Köder, Bleibt ihr immer die Geleimten. –
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:13 von 2rhyme
Autor: Heinrich Kämpchen
Quelle: de.wikisource.org
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