Die arme Else (Andere Gedichte)
Die arme Else. Die Mutter spricht: „lieb Else mein, Du mußt nicht lange wählen; Man lebt sich in einander ein, Auch ohne Liebesquälen;
Manch’ Eine nahm schon ihren Mann, Daß sie nicht sitzen bliebe, Und dünkte sich im Himmel dann, Und alles ohne Liebe.“
Jung-Else hört’s und schloß das Band, Das ewge am Altare, Es nahm, zur Nacht, des Gatten Hand Den Kranz aus ihrem Haare; Ihr war zu Sinn, als ob der Tod Sie auf die Schlachtbank triebe, –
Sie gab ihr Alles nach – Gebot, Und alles ohne Liebe. Der Mann ist schlecht, er liebt das Spiel, Und guten Trunk nicht minder, Sein Weib zu Hause weint zu viel,
Und ewig schrein die Kinder; Spät kommt er heim, er kost, er – schlägt, Nachgiebig jedem Triebe, – Sie trägt’s, wie nur die Liebe trägt, Und alles ohne Liebe.
Sie wünscht’ sich oft: „es wär’ vorbei“, Wenn nicht die Kinder wären; So aber sucht sie, stets auf’s Neu, Den Gatten zu bekehren; Sie schmeichelt ihm, und ob er dann
Auch kalt bei Seit’ sie schiebe, Sie nennt ihn: ihren liebsten Mann, Und alles ohne Liebe.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:27 von 2rhyme
Autor: Theodor Fontane
Quelle: de.wikisource.org
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