Eine Rose auf Fritz Reuter’s Grab (Andere Gedichte)
Sucht, Meister, aus den Rosenstrauch, Des Gartens schönste Gab’! Gen Eisenach, gen Eisenach Tragt ihn auf Reuter’s Grab!
Ein Monument, das ewig währt, Ein Monument von Stein, Das setze Deutschland stolzgemuth Dem edlen Dichter sein! Ich bin nur arm, bin nur gering,
und doch, wie arm ich bin, Ich schmücke seine Ruhestatt Nach meines Herzens Sinn. Hat doch an manchem düstern Tag, In mancher dunkeln Nacht
Sein lichtes, helles Dichterwort Den Frieden mir gebracht. Nun kommt zum fernen Grab mein Dank Im Blumenhauch daher, Gen Eisenach, gen Eisenach,
Wohl über Land und Meer. – Ihr seht mich, Meister, fragend an Und wißt nicht, wie zu thun. „Wo schon so viele Blumen sind, Wie pflanz’ ich diese nun?“
O, pflanzt auf’s Grab sie, wär’ es auch In einem Winkel still, Und glaubt, der dort im Schlummer liegt, Weiß doch, was Liebe will! Diese Worte von den Ufern des Dnjestr und Pruth zu uns herübertönend, sind in ihrer schlichten Natürlichkeit ein herzerhebendes Zeugniß für die allwache Liebe, die dem Echten und Wahren in Kunst und Poesie auch heute noch zu Theil wird. Der einsame Mann, der in den weltfernen Steppen Rußlands so treu des Dichters heimathlichen Still- und Kleinlebens gedenkt und eine Rose auf sein Grab pflanzen läßt, er ist der Typus der deutschen Gemüthsinnigkeit, die auch in den fernsten Himmelsstrichen nicht stirbt und erlischt, wohl aber bei tiefer angelegten Naturen wächst und erstarkt, je ferner ihr das Bild der Heimath entrückt wird. Die Rose, mit welcher der Deutsche von Bessarabien das Grab von Eisenach schmückt, ist ein redendes Bild deutscher Pietät und treuer Heimathsliebe und unter den Spenden für Reuter’s Gruft sicherlich nicht die werthloseste.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:51 von 2rhyme
Autor: Die Gartenlaube
Quelle: de.wikisource.org
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