Auf der Wanderung (Andere Gedichte)
Auf der Wanderung. Ich wandre meine Straße fort, Und Abendwinde wehen, Da seh’ ich an dem Fenster dort Ein weinend Mädchen stehen.
Der Anblick nimmt das Herz mir ein Mit Wehmuth und mit Sehnen, Als sollte ich berufen sein, Zu stillen diese Thränen. Was blickst du, unbekannte Maid,
So flehend hold herüber? Du bleibst mir fremd, und fremd dein Leid, – Ich wandre stumm vorüber. Bald wirst du glüh’n in neuer Lust Bei Scherz und Spiel und Reigen,
Und wirst an eines Andern Brust Dein Haupt getröstet neigen. Ich aber will durch alle Welt Bis zu den spät’sten Tagen Dein Bild, vom Abendroth erhellt,
Im tiefen Herzen tragen. – Am Thore schaut’ ich noch einmal Zurück zum bleichen Kinde, Sie stand im letzten Abendstrahl, Das Fenster schwankt’ im Winde.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:02 von 2rhyme
Autor: Wilhelm Hertz
Quelle: de.wikisource.org
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