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Die Fahne und der Teppich (Andere Gedichte)

 Die Fahne und der Teppich.

Zu Bagdad im Pallaste redet’ einst
Die Kriegesfahne so den Teppich an:
„Wir, Eines Herren Diener, Ich und Du,
wie anders gar ist unser Dienst und Lohn!
Ich, matt von Zügen, und mit Staub bedeckt,

bin ohne Rast und Ruh, auf Reisen stets,

und allenthalben der Gefahr voran.
Du, fern von Wüsten, Staub, Gefahr und Müh,
von Schlachten fern und von Belagerung,
weilst hier am Hofe unter Jünglingen

und Jungfraun, schöner als der schöne Mond

von Salben duftend, mir an Herrlichkeit
und Ehre weit voran. Ich, in der Hand
der Diener, jetzt der rauhen Winde Spiel,
jetzt eingefesselt und dahin gestellt. –“

[37]

Der weiche Teppich sprach: „dagegen hebst
du auch dein stolzes Haupt zu Sternen auf;
ich liege hier zu meines Herren Fuß
und bin als Sklave nur geehrt und reich.
Wer Ehrsuchtvoll sein Haupt erhebet, der

sucht in der Höhe selbst Gefahr und Sturm.“

Eingetragen am 08.11.2011 09:33:31 von 2rhyme
Autor: Johann Gottfried Herder
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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