Ein Balg (Andere Gedichte)
Ein Balg. Die alte Frau hat ein hartes Gesicht, Doch kluge, sanfte Augen, Die wenig mehr beim Pfenniglicht Und nicht zum Weinen taugen.
Sie war ein Balg ... Als Findelkind Verlassner als die Armen, Bat weder Herren noch Gesind Um Futter und Erbarmen. Sie griff fest zu und schaffte stramm
Wie ehrbar-ernste Leute; Dass nie sie Unverdientes nahm, Erfreut das Weib noch heute. Sie zeigt auch jetzt mit Bauernstolz Erdarbte Talerscheine:
„Die sind mein unverbranntes Holz, Meine ungetrunkenen Weine ... Die sind mein ungegessnes Brod, Auf jedem steht geschrieben: Ein Alter ohne Schand’ und Not . . .
Und was mir Gott schuldig geblieben."
Ada Christen
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:48 von 2rhyme
Autor: Ada Christen
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