Drauf sie einen Reiter schnelle
Senden, der so fröhlich schaut,
Der bläßt seinen Gruß so helle,
Wirbt da um die stolze Braut.
„Sieh’, wir werben lang’ verstohlen
Schon um Dich in Noth und Tod,
Komm! sonst wollen wir Dich hohlen,
Wann der Mond scheint blutigroth!“
Bleich schon fallen Abendlichter –
Und der Reiter bläßt nur zu,
Nacht schon webt sich dicht und dichter –
Doch das Thor bleibt immer zu.
Nun so spielt denn, Musikanten,
Blaßt zum Tanz aus frischer Brust!
Herz und Sinne mir entbrannten,
O Du schöne, wilde Lust!
Wer hat je so’n Saal gesehen?
Strom und Wälder spielen auf,
Sterne auf und nieder gehen,
Stecken hoch die Lampen auf.
Ja der Herr leucht’t selbst zum Tanze,
Frisch denn, Kameraden mein!
Funkelnd schön im Mondesglanze
Strenges Lieb, mußt unser sein! –
Und es kam der Morgen heiter,
Mancher Tänzer lag da tod,
Und Victoria bließ der Reiter
Von dem Wall ins Morgenroth.
Eingetragen am
08.11.2011 09:33:30 von
2rhyme
Autor:
Joseph von Eichendorff
Quelle:
de.wikisource.org
Weitere Informationen unter:
http://de.wikisource.org