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Die neue Zeit (Andere Gedichte)


2.

Die neue Zeit.

1824.

Selt’nes ward von uns erlebet,
Einer von den großen Tagen;
Ja, die Weltuhr hat geschlagen,
Daß die Mitternacht erbebet.

Funkelnd glänzten die Gestirne

Einem neuen Tag entgegen,
Auf der Erde keimte Segen,
Und der Mensch erhub die Stirne.

Morgenwolken roth und blutig

Kamen d’rauf herangezogen,

Nebel kamen aufgeflogen,
Doch das Herz blieb fest und muthig.

Bis der Strahl vom Himmel zückte,
Bis die Stürme heulten wüthend,

Und die alte Nacht sich brütend

Auf die müden Häupter drückte.

Und es zagten alle Frommen,
Und es seufzte der Gerechte:
„Soll vergehen dieß Geschlechte,

Noch bevor die Sonn’ ist kommen?“


Sieh, da tönet eine Stimme,

Macht sich Bahn zu aller Herzen,
Durch die Seufzer, durch die Schmerzen,
Durch das Element im Grimme:

„Einst geschieht des Himmels Wille,

Ihr geht unter All’ im Ringen,
Aber Er wird es vollbringen,
Und die Weltuhr steht nicht stille.“

„Wollt ihr in die Räder fahren?

Wollt ihr am Gewichte zerren?

Wißt ihr’s nicht? vor Gott dem Herren
Ist ein Tag gleich tausend Jahren!“



Eingetragen am 08.11.2011 09:33:39 von 2rhyme
Autor: Gustav Schwab
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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