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Lied in der Mark (Andere Gedichte)


Lied in der Mark.

Schad’ ist’s um den blauen Himmel,
Schad’ ist’s um den Sonnenschein,
Schad’ um’s lustige Gewimmel
Wohnungsloser Vögelein!

Sonn’ und Luft hat kein Ergötzen,

Scheint und weht auf öden Sand,
Vogel kann sich nirgends setzen,
Weil kein Schattenbaum im Land!

Nur um Eines ist’s nicht Schade,

Eines mag ich gerne sehn:

Wenn behend auf Sandespfade
Zwei der zärt’sten Füßchen gehn;
Wenn begrüßen mich zwei Augen,
Rein und hell, nordhimmelblau,

Draus sich läßt mehr Wonne saugen,

Als aus Wald und Blumenau!

Wunderschöne, nord’sche Blume,
Aus der kalten Mark erblüht,
Dir allein zu Trost und Ruhme

Sonne noch und Himmel glüht;

Auf das öde Land zu blicken,
Kann sie nimmermehr gereun:
Darf nur sie dir Lichter schicken,
Darf nur er dir Lüfte weihn.

Möge dir der Herr behüten

Deines Hauptes Lockenlaub,
Deiner Wang’ und Augen Blüthen,
Deiner Wimpern Blumenstaub,
Deiner Lippen süße Früchte,

Deinen Wuchs, du schlankes Reis!

Wenn ich von dir sing’ und dichte,
Grünt der Sand und blüht das Eis!



Eingetragen am 08.11.2011 09:34:25 von 2rhyme
Autor: Gustav Schwab
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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