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Unterwegs und wieder daheim (Andere Gedichte)

Unterwegs und wieder daheim.


 1.

     Erst Münchner Bräu aus vollen Krügen,
Die Deckel klappten wie ein Reim,
Dann Neckarwein in vollen Zügen
Und endlich Roth von Ingelheim.

     Und all die Zeit kein regentrüber

Verlorner Tag, kein nasser Schuh,
Die Bilder zogen uns vorüber,
Wir thaten nichts als schauten zu.

     Und graue Dome, bunte Fresken

Und Marmor reichten sich die Hand

Und weinblattdunkle Arabesken
Zog drum das Rhein- und Schwabenland.

 2.

     Mit achtzehn Jahr und rothen Wangen
Da sei’s, da wandre nach Paris,

Wenn noch kein tieferes Verlangen

Sich Dir ins Herze niederließ;

     Wenn unser Bestes: Lieb und Treue,
Du nicht begehrst und nichts vermiß’st,
Und all das wechselvolle Neue

Noch Deine höchste Gottheit ist.


     Mir sind dahin die leichten Zeiten,
Es läßt mich nüchtern, läßt mich kalt,
Ich bin für diese Herrlichkeiten
Vielleicht zu deutsch, gewiß – zu alt.

 3.


     Und wieder hier draußen ein neues Jahr, –

Was werden die Tage bringen?!
Wird’s werden wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

     Wird’s fördern das worauf ich gebaut,

Oder vollends es verderben?

Gleichviel was es im Kessel braut,
Nur wünsch’ ich nicht zu sterben.

     Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen,

Und wieder noch des Freundes Hand

Im Einverständniß fassen.

     Ich möchte noch wirken und schaffen und thun
Und athmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn

Hat’s nimmer Noth noch Eile.


     Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rückläßt einen leuchtenden Funken
Und nicht vergeht wie die Flamm’ im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

 4.


     Ich bin hinauf, hinab gezogen,

Und suchte Glück und sucht’ es weit,
Es hat mein Suchen mich betrogen
Und was ich fand war Einsamkeit.

     Ich hörte, wie das Leben lärmte,

Ich sah sein tausendfarbig Licht,

Es war kein Licht das mich erwärmte,
Und ächtes Leben war es nicht.

     Und endlich bin ich heimgegangen
Zu alter Stell’ und alter Lieb’

Und von mir ab fiel das Verlangen,

Das einst mich in die Ferne trieb.

     Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung,
Was sich, umwerbend, ihr gesellt;
Das Haus, die Heimath, die Beschränkung,

Die sind das Glück und sind die Welt.

Eingetragen am 08.11.2011 09:35:13 von 2rhyme
Autor: Theodor Fontane
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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