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Verlorene Wünsche (Andere Gedichte)


 XI.
 Verlorene Wünsche.

Von der Gleichheit der Gemüthsart
Wechselseitig angezogen
Waren wir einander immer
Mehr als uns bewußt gewogen.

Beide ehrlich und bescheiden,

Konnten wir uns leicht verstehen;
Worte waren überflüssig,
Brauchten uns nur anzusehen.

O wie sehnlich wünscht’ ich immer,

Daß ich bei dir bleiben könnte

Als der tapfre Waffenbruder
Eines dolce far niénte.

Ja, mein liebster Wunsch war immer,
Daß ich immer bei dir bliebe!

Alles was dir wohlgefiele,

Alles thät ich dir zu Liebe.

Würde essen was dir schmeckte

Und die Schüssel gleich entfernen,
Die dir nicht behagt. Ich würde

Auch Cigarren rauchen lernen.


Manche polnische Geschichte,
Die dein Lachen immer weckte,
Wollt’ ich wieder dir erzählen
In Judäas Dialecte.

Ja, ich wollte zu dir kommen,

Nicht mehr in der Fremde schwärmen –
An dem Herde deines Glückes
Wollt’ ich meine Kniee wärmen. – –

Goldne Wünsche! Seifenblasen!

Sie zerrinnen wie mein Leben –

Ach, ich liege jetzt am Boden,
Kann mich nimmermehr erheben.

Und Ade! sie sind zerronnen,
Goldne Wünsche, süßes Hoffen!

Ach, zu tödtlich war der Faustschlag,

Der mich just in’s Herz getroffen.



Eingetragen am 08.11.2011 09:35:20 von 2rhyme
Autor: Heinrich Heine
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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