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Wünschelruthe (Gedicht) (Andere Gedichte)

1.

     Reich muß sich die Jugend träumen,
Luft’ge Schlösser zu erbauen,
Und das Meer muß golden schäumen,
Daß im Glanz die Fern’ zu schauen.

     In geheimnißvoller Stunde

Mit den Worten, die sie beichtet,
Giebt sie vom Geheimsten Kunde,
Das wie Gold im Berge leuchtet.

     Gern will Jeder Schätze heben,

So der Reiche wie die Armen;

Wo nie war ein reiches Streben,
Da heißt Demuth nur Verarmen.

     Drum ergreife mit Vertrauen
Jeder diese Wünschelruthe,

Was im Herzen ist, zu schauen,

Schlag’ sie an im frischen Blute.

     Mußte sie im Geist ersprießen,
Steht sie mit der Erd’ im Bunde;
Was das Herz erfüllt, muß fließen

Im Gesange dann vom Munde.


2.

Die Sündfluth ist verronnen,
     Die Wasser werden still,
     Im Glanz der alten Sonnen
     Der Himmel leuchten will,

Die Wälder rauschen wieder,

     Die Berge stehen frei,
     Und Taube fliegt hernieder
     Und trägt den Oelzweig treu.

Da schwebt das Dichterleben

     In alter sel’ger Bahn,

     Will sich zum Himmel heben,
     Der Erde Herzen nah’n.

In Blüth’ und Duft und Klängen
     Mit Wolk’ und Vöglein zieh’n,

     In stillen goldnen Gängen

     Die Erdenbrust durchglüh’n,

Und allwärts so sich regen
     In Lust nnd Lieb’ und Glut,
     Daß neu auf allen Wegen

     Hinquell’ die heil’ge Fluth.


Drum lasst uns freudig fassen
     Den frischen, glühen Quell,
     Wo er auf freier Straßen
     Aufsprudelt laut und hell;

Doch wo er noch verborgen

     Geht durch die Herzen hin,
     Noch nicht zu lichtem Morgen,
     Zu Tage auf will zieh’n,

Da laßt die Ruth’ uns tragen

     Frommgläubig in der Hand,

     Und überall anschlagen
     Im ganzen deutschen Land.

Da wird’s uns Adern zeigen
     So reich an ächtem Erz,

     Daß d’raus ein Band mag reichen

     Um alles deutsche Herz.



Eingetragen am 08.11.2011 09:35:42 von 2rhyme
Autor: Wünschelruthe
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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