Wechsel (Andere Gedichte)
Wechsel. O Liebe, falsche Trügerin, Mit Lust und Kosen Kriegerin, In Demuth stolze Siegerin, Wie hast du mich betrogen!
Aus kühler Abgeschiedenheit, Aus einsamer Zufriedenheit, Aus aller Glut Vermiedenheit Auf’s neu herausgelogen! Die dunkeln Locken mied ich schon,
Von bleichen Wangen schied ich schon, Mit dem Verlangen stritt ich schon Nach braunem Augensterne; Ich von den regen Blicken süß Nicht ferner mich berücken ließ
Ich andern Sieg sie pflücken hieß, Nur mir vom Herzen ferne. Doch blonder Locken Helligkeit, Doch blauen Aug’s Gefälligkeit, Doch schlanker Glieder Schnelligkeit,
Die däuchten mir nicht fährlich; Die Blicke Glut nicht sprühende, Die Wangen zart erblühende, Die Lippen feucht erglühende, Mir schien, sie meinten’s ehrlich.
Nicht schmachtende Geduldigung, Nicht eifernde Beschuldigung, Nur Scherz und Gruß und Huldigung, Nur Spiel mit Lock’ und Lippen! Nicht dacht’ ich ach! der Freudige,
Muthwillig froh Geschmeidige, Das heimlich bitter leidige, Verliebte Gift zu nippen. Wie höhnen nun die Brüder mich, Wie brennt es durch die Glieder mich,
Wie strahlt verderbend wider mich Die leichte, schlanke Blonde! So blauer Augen schnelle Gluth, So gelber Locken helle Fluth! Braus’ auf mein Herz und schwelle Blut,
Wie Meereswell’ im Monde!
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:26 von 2rhyme
Autor: Gustav Schwab
Quelle: de.wikisource.org
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