Wanderlied (Andere Gedichte)
Ich bin ein junger Wandersmann, Geh durch die Welt zu Fuße, Da spricht die ganze Welt mich an Mit lust'gem Reisegruße. Wo ich ein Blümlein blühend find’ Da heiß’ ich’s mit mir gehen, Wo kühlig rauscht ein Lenzeswind Da muß er mich umwehen. Wo mir ein Fels entgegen schaut Wird frisch mein Stab geschwungen, Daß von dem Schlag kommt hell und laut Der Gottesquell gesprungen. Und will ich ruhn vom Wandern aus Brauch’ ich nicht lang zu fragen, nimmt flugs mich auf ein gastlich Haus Von Säulen hoch getragen; In blauer Luft steht grün sein Dach, Viel goldne Sternlein drinnen, Und singend Vöglein hält die Wach’ Auf feinen blühnden Zinnen. Und webt dem süßen Schlafe ein Der Heimath Liebesträume, Bis wieder ruft die Straß' herein: Such', Wandrer, andre Bäume! Mag sie mich ziehn dann weiter fort Durch Welt und Wetterstürme, Das Herz mit seinem Liebeshort Geht frisch durch alle Stürme. Und wenn auch Regenschauer fällt, So denkt’s : sind Himmelsthränen Die er zu seiner Braut, der Welt, Geweint in Liebessehnen.
Hornthal.
Eingetragen am 08.11.2011 09:35:23 von 2rhyme
Autor: Johann Peter von Hornthal
Quelle: de.wikisource.org
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