Morgen Sonnet (Andere Gedichte)
DIe ewig helle Schaar wil nun ihr Licht verschliessen / Diane steht erblaßt; die Morgenrötte lacht Den grauen Himmel an / der sanffte Wind erwacht / Vnd reitzt das Federvolck / den neuen Tag zu grüssen.
Das Leben dieser Welt / eilt schon die Welt zu küssen / Vnd steckt sein Haupt empor / man siht der Stralen Pracht Nun blinckern auff der See: O dreymal höchste Macht Erleuchte den / der sich itzt beugt vor deinen Füssen! Vertreib die dicke Nacht / die meine Seel vmbgibt /
Die Schmertzen Finsternüß / die Hertz vnd Geist betrübt / Erquicke mein Gemütt / vnd stärcke mein Vertrauen. Gib / daß ich diesen Tag / in deinem Dinst allein Zubring; vnd wenn mein End’ vnd jener Tag bricht ein Daß ich dich / meine Sonn / mein Licht mög ewig schauen.
Eingetragen am 08.11.2011 09:34:33 von 2rhyme
Autor: Andreas Gryphius
Quelle: de.wikisource.org
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