Der Abschied (1799) (Andere Gedichte)
Der Abschied. Den 20ten Juny 98. Dicht wob der Linde säuselnd Dach Den Schatten um mich her, Es schäumte silberklar der Bach Vom schilfumrankten Wehr,
Mit dunklem Purpurlicht umgoß Das Abendroth den Hayn, Und rosig in der Quelle floß Der zarte Widerschein. Und wie die Welle sank und schwoll
So hob mir unbewußt Sich schmerzlich jetzt und ahnungsvoll Die tiefbewegte Brust. Vom lieblich duftenden Gesträuch Vom buntbeblümten Moos
Pflückt ich die Blüthe, brach den Zweig Sie sammelnd mir im Schoos. Und weil ich träumte schlang die Hand Ein blühendes Gewind’, Es schien der Freude lächelnd Pfand
Und war der Wehmuth Kind, So gieng ich schweigend durch den Gang Der still und einsam war, Das grünende Gewinde schlang Ich um den Felsaltar.
Den zarten Wesen war der Kranz Mit frommem Dank geweiht Die nächtlich hier der luft’ge Tanz Im Abendthau erfreut. Ihr Nimpfen, die ihr diesen Quell
Wie Frühlingsblüthen leicht Und wie des Mondes Strahlen hell Im Dämmerlicht entsteigt, Wenn ihr gehüllt in süßen Duft Um diese Pappeln schwebt,
So gönnt mir daß die laue Luft Mein Name leis durchbebt. So sprach ich und die Welle schwoll Am Ufer hoch empor, Es stieg aus ihr so anmuthsvoll
Die Nimpfe mir hervor. Der Zephyr küßt ihr goldnes Haar Ihr bläuliches Gewand, Sie schwebte leicht zu dem Altar An dem ich bebend stand.
Sanft strahlt ihr glänzend Angesicht, Ihr feuchtes Auge winkt Gewährung, doch sie redet nicht Sie seufzet und – versinkt. F ***
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:12 von 2rhyme
Autor: Amalie von Imhoff
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