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Venus Adultera (Andere Gedichte)

Komm, Schatz; komm, Katz; laß das Wimmern!
Nein, das darf dich nicht bekümmern,
ob ich auch „treu“ bin; rück nur her!
Komm: ich hab ein Dutzend Seelen,

wer kann all die Kammern zählen,

sechse stehen grade leer.

Sieh nicht auf den Ring an meinem Finger;
hoh, mein Kind, ich bin viel jünger
als mein narbiges Gesicht.

Weißt du, die Runzeln und die Hiebe

thun erst die Würze zu Ehre und Liebe!
Ja, mein süßer Bösewicht:

Viel geliebt, noch mehr getrunken,
manchmal fast im Strom versunken,

heida wie der Schläger pfiff!

Soll das Leben dir was nützen,
lerne auch dein Blut versprützen:
nicht gezuckt! los! blick und triff!

Hast ja auch schon – Blut verspritzt,

oft ... ah! wie dein Auge blitzt:

zürnst wol gar dem frechen Buben?
Was denn: Thränen? o nicht doch! oh!
Herzchen, so’was lernt man so
in der Luft der Ehestuben!

Komm: sei gut, Kind! Gieb mir die Hand!

Hast mich ja lieb, Kind – und hast Verstand:
nein, ich will dich nicht verführen.
Aber gelt, du wärst gern Braut?
Hier das Venushalsband deiner Haut

läßt verhaltene Wünsche spüren!


Sieh mich doch an, du: bin kein Dieb!
habe das Halsband nur so lieb
und deine dunkeln Augenringe.
Sieh doch: mein Blick ist ein zündender Pfeil,

und meine Stimme ein sausendes Seil:

komm, durch Höllen und Himmel soll’s dich schwingen!



Eingetragen am 08.11.2011 09:35:14 von 2rhyme
Autor: Richard Dehmel
Quelle: de.wikisource.org
Weitere Informationen unter: http://de.wikisource.org



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