Die Strömung (Andere Gedichte)
DIE STRÖMUNG Die Strömung strömte Süd-Nord-West Und bog sich dann im Bogen. In ihrer Mitte kam ein Rest Von einem Boot gezogen.
Dann kam ein Wasserleichelchen; Es war von außen offenbar Noch ziemlich frisch. Dahinter trieb ein Speichelchen, Das abgesondert war
Von einem Fisch. Dem folgte sehr viel Kohlendreck Das Wasser wurde trüber. Dann gondelte verdorbener Speck Fischunterzupft vorüber.
Dann trieb ein Balken stumpf vorbei, Dann nichts, dann ein Stück Dichtung, Ein Flaschenkork und andrerlei, – Alles in gleicher Richtung. Dann kam ein Rest von einem Boot.
Ihm folgte eine gelbe Chinesenleiche, stark zersetzt. Und alles, was ich sah, war tot, War unbedeutend und zuletzt Im Grunde stets dasselbe.
Eingetragen am 08.11.2011 09:33:42 von 2rhyme
Autor: Joachim Ringelnatz
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